Gemeinwohlökonomie am Beispiel der Mühlenbäckerei

Wie weit man Wirtschaft denken kann

Ganzheitlich verantwortungsvoll zu wirtschaften – das klingt einfach, ist aber ziemlich komplex. Konsequent gedacht, müssen dabei alle Aspekte der Ethik berücksichtigt werden. Ökologische Nachhaltigkeit. Soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Demokratie, Menschenwürde und Transparenz. Die Schweriner Mühlenbäckerei zeigt, wie das aussehen kann. Dafür orientiert sie sich frei an den Ideen der Gemeinwohlökonomie.

Höchst ökologischer Einkauf

Alles beginnt mit den Rohstoffen, bestenfalls auf dem Feld nebenan. Und bei der Mühlenbäckerei kommt tatsächlich ganz viel vom Partnerbetrieb Hof Medwege – auf dem gleichen Gelände. Zutaten von zweifelhafter Herkunft sind grundsätzlich ausgeschossen. Und alles, was es vor Ort nicht gibt, wird von reinen Biohändlern bezogen, die ihre Waren bis zum Ursprung verfolgen können.

Nachhaltig Produzieren und Verkaufen

Bei den Produkten selbst kommen dann alle Aspekte zum Tragen: ökologische, vollwertige Gestaltung der Produkte. Der brüderliche Umgang im Netzwerk mit Partnern, die sich eine faire Vergütung garantieren und einander helfen, wenn jemand in Not gerät. Aber auch erschwingliche Preise für die Kundinnen und Kunden. Sprich: Bio für alle. Und schließlich das Engagement zur Entwicklung der Branche, etwa durch die Förderung des Züchtens alter Getreidesorten.

Das Wohl der Mitarbeitenden

Zufriedene Menschen stehen im Mittelpunkt des Unternehmens. Sie sollen Anspruch auf gute Ausstattung und gerechten Verdienst haben, aber auch an Partizipation. Dafür investiert die Bäckerei massiv in moderne Arbeitsmittel, bezahlt überdurchschnittlich – und fair: gleiches Geld für gleiche Positionen, bei Männern wie Frauen. Es gibt keine ideologischen Hürden, dafür praktisch vermitteltes ökologisches Wissen. Außerdem können Mitarbeitende ihre Wünsche auf regelmäßigen Versammlungen einbringen.

Ethisch kollektive Finanzierung

Jedes Unternehmen muss investieren. Das Geld dafür sollte aber nur von Organisationen stammen, die mit Finanzen keine unmoralischen Geschäfte machen. Gut, dass es sozialökologische Institute wie die GLS-Bank gibt, mit der sehr viele Biobetriebe zusammenarbeiten. Die Mühlenbäckerei hilft sich außerdem mit befreundeten Unternehmen gegenseitig aus, wenn es um Bürgschaften oder kurzfristige Kredite geht.

Mit Wirkung für die ganze Gesellschaft

Vielleicht am Wichtigsten: das gesellschaftliche Umfeld. Als Pionier im nordostdeutschen Raum verbreitet die Mühlenbäckerei Bio seit 24 Jahren, unterstützt lokales Leben durch einen Kulturverein und sein Hoffest. Der CO²-Fußabdruck wird dank eigener Solaranlage, Wärmerückgewinnung und vorwiegend regionalem Vertrieb gering gehalten. Und durch Förderung vieler Initiativen wie Greenpeace, Foodwatch, Tafeln oder Aktionen wie der Bio-Brot-Box findet eine gesellschaftliche Teilhabe am Gewinn statt. Eines aber steht ganz oben auf dem Blatt: immer noch mehr zu tun.