Aus der Szene in die Mitte der Gesellschaft

Beumer & Lutum wurde noch vor der BIO COMPANY gegründet: bereits 1993 – in Kreuzberg, zwischen Wohnprojekten und Punkrock-Kneipen. Was damals in dieser progressiven Szene begann, hat sich über 30 Jahre zu einem der modernsten und offensten Biobetriebe Berlins entwickelt. 

Geschäftsführer Antonius Beumer erzählt, wie es früher war – und wie sein Team die guten Ansätze weiterentwickelt hat.

Kerar Al-Hakim damals
Kerar Al-Hakim damals

BIO COMPANY: Toni, wie kam es in den 90ern zur Gründung eurer Biobäckerei?

ANTONIUS: Das war eine Mischung aus Idealismus und Realismus. Als Soziologiestudent habe ich mich viel mit alternativen Ansätzen beschäftigt und war auch
 Mitglied eines Bäckereikollektivs. Dort entschieden wir alles gemeinsam, produzierten nur Vollkornwaren – eine echte Gegenkultur. Ich fand das toll, hatte allerdings auch das Bedürfnis, diese Szene zu öffnen.

BIO COMPANY: Mit einem eigenen Unternehmen?

ANTONIUS: Genau, mit einem handwerklich korrekten Biobetrieb, bei dem aber nicht alles streng ökologisch aussehen muss. Ich und Christa Lutum – meine damalige Geschäftspartnerin – hatten die Erfahrung gemacht, dass Kund*innen sich auch hellere Brote wünschten. Wir bekamen dann die Chance, eine alte Bäckerei in der Cuvrystraße zu übernehmen. Und dort haben wir das vermutlich erste Berliner Bio-Baguette gebacken.

BIO COMPANY: Und was ist aus diesem Produkt geworden?

ANTONIUS: Es hat sich hervorragend entwickelt – genau wie unser Betrieb. Das Baguette schmeckte damals schon ziemlich lecker, aber eher wie eine sehr lange, sehr gute Schrippe. Später haben wir eine Mitarbeiterin nach Frankreich geschickt und das Produkt mit ihren Erkenntnissen verbessert. So ist es richtig metropolitisch geworden, wie das neue Berlin.

BIO COMPANY: Welche der einstigen Ideale hast du ins Heute mitgenommen?

ANTONIUS: Sehr viele. Nehmen wir mal das Generationendenken: Wir wollten unser Handwerk von Anfang an gemeinsam kultivieren und sind schon in den 90ern mit dem ersten Azubi gestartet. Aktuell haben wir 22 Lernende. Und diese Menschen bleiben. Kerar Al-Hakim zum Beispiel hat 2001 angefangen, ist seit 2011 Bäckermeister und heute ein Leiter unseres Hauptstandorts.

BIO COMPANY: Und die Kollektivkultur?

ANTONIUS: Unbedingt! Ich finde, dass ein Unternehmen als Team geführt werden sollte. Bei uns sind das 8 bis 10 Leute, alle aus ihren jeweiligen Fachbereichen. Mit guter Gesprächsdisziplin und ähnlichen Werten kann man da sehr viel bewegen.

BIO COMPANY: Also sind die Ideale der 90er aufgegangen?

ANTONIUS: Das, was wir damals gemacht haben, hat ganz wichtige Entwicklungstendenzen ausgelöst. Es hat sich nämlich durchgesetzt – gegen Industrie, Monokratie und Ausbeutung. Wir sind ein Beispiel für coole Unternehmen, wo alle zusammenarbeiten, um ganz Berlin mit immer besseren Lebensmitteln zu versorgen.

Kerar Al-Hakim heute
Kerar Al-Hakim heute