Zwischen MHD und Müll

Foodwaste verschwendet Geld, Boden, Wasser, Energie und verursacht 4,4 Gigatonnen Treibhausgasemissionen im Jahr. Die Verschwendung mindestens zu reduzieren, ist deshalb auch eine politische Aufgabe.

Was ist Foodwaste?

Der Begriff bezeichnet Lebensmittel, die verderben, weggeworfen oder erst gar nicht in den Handel gebracht werden. Oft, obwohl wir sie (noch) essen könnten. Lebensmittelverschwendung findet vom Acker bis zum Teller statt. Foodwaste ist nicht nur ein ethisches Problem, weil gleichzeitig Millionen Menschen hungern, sondern verschwendet auch enorme Ressourcen.

Wann gilt ein Lebensmittel in Deutschland als abgelaufen?

Es gibt hierzulande zwei Datumskennzeichnungen: Das Verbrauchsdatum gilt vor allem für leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch. Nach dessen Ablauf dürfen diese Lebensmittel nicht mehr verkauft werden, weil der Verzehr gesundheitliche Risiken birgt. Sie sollten weggeworfen werden.

Anders verhält es sich beim Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das angibt, bis wann ein Produkt seine „spezifischen Eigenschaften“ mindestens beibehält. Es ist also eher ein Richtwert. Produkte mit abgelaufenem MHD dürfen deshalb, versehen mit einem Hinweis, weiter verkauft werden. Wer ein solches Lebensmittel essen möchte, vertraut am besten auf seine Sinne: anschauen, riechen und vorsichtig probieren, ob es noch gut ist.

Gibt es ein Gesetz für Lebensmittelabfälle?

Nein, bisher engagieren sich Lebensmitteleinzelhändler in Eigeninitiative – wie die BIO COMPANY mit einem mehrstufigen System zur Vermeidung von Foodwaste. Die vom Ernährungsministerium initiierte Strategie zur Reduzierung ist bisher freiwillig und teilweise recht theoretisch. Fest steht das Ziel: Bund und Länder wollen Lebensmittelabfälle bis 2030 auf Handels- und Verbraucherebene halbieren.

Dass es möglich wäre, Foodwaste rechtlich einzudämmen, zeigen unsere europäischen Nachbarn: In Frankreich muss der Handel nicht verkaufte und unverkäufliche Lebensmittel an karitative Einrichtungen spenden oder der Landwirtschaft als Tierfutter weitergeben. Tschechien verpflichtet Supermärkte ebenfalls gesetzlich, Übriggebliebenes an soziale Einrichtungen zu spenden. Italien setzt positive Anreize mit Steuer-erleichterungen und einem Gute-Samariter-Gesetz: Das entbindet die Händler*innen von der Verantwortung für die Überwachung des Verfallsdatums und die Lagerung. Belgien hat die Mehrwertsteuer auf Lebensmittelspenden abgeschafft und beseitigt bürokratische Hürden mit einer Rückverfolgungs-Regel.